Ratschläge zum Kauf eines E-Bikes

Was ist der Unterschied zwischen einem Elektrofahrrad und einem Pedelec?

Ein echtes Elektrofahrrad bzw. E-Bike ist ein Fahrrad mit Elektromotor, das auch ohne Treten von alleine fährt. Die Beschleunigung wird dabei ähnlich wie bei einem Motorrad mittels Drehgriff oder auch per Daumenschalter gesteuert. Diese Fahrräder haben zwar Pedale, mit diesen wird aber nur der Motor unterstützt, was die Akkulaufzeit erhöht. Reine Elektrofahrräder in dieser Bauart gibt es kaum mehr im Handel zu kaufen.

Moderne „Elektrofahrräder“ werden als sogenannte Pedelecs gebaut. Bei dieser Bauform muss der Fahrer in die Pedale treten, um den Elektromotor zu aktivieren. Das Fahrgefühl ist dabei ähnlich dem eines normalen Fahrrads, nur dass man mit viel weniger Anstrengung viel schneller fahren kann.

Teilweise gibt es auch Hybride am Markt. Das sind Pedelecs, die zusätzlich mit einem Daumenschalter oder Drehgriff wie eine echtes Elektrofahrrad gefahren werden können. Viele Pedelecs lassen sich mit solchen Schaltern nachrüsten.

Wie ist ein Pedelec aufgebaut?

Bei den meisten Pedelecs wird eines der beiden Räder gegen ein Rad mit integriertem Radnabenmotor ausgetauscht. Dies kann je nach System das Vorder- oder Hinterrad sein. Dieser Motor ist praktisch wartungsfrei und hat eine erwartete Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten. Der Motor wird von einem Akku gespeist, der irgendwo am Rahmen befestigt wird. Die letzte Komponente ist eine Konsole am Lenker, mit der der Elektroantrieb gesteuert wird. Bei einfacheren Modellen ist die Konsole ein einfacher Schalter. Bei höherpreisigen Modellen ist das ein kleiner Fahrradcomputer, über den verschiedene Informationen abgerufen und Einstellungen verändert werden können.

Wie fährt man mit einem Pedelec?

Grundsätzlich fährt man mit einem Pedelec wie mit einem normalen Fahrrad. das heißt, man tritt in die Pedale und bekommt dann vom Motor die Unterstützung. Der Unterschied zum normalen Fahrrad ist die deutlich bessere Beschleunigung. Es ist keine Seltenheit, dass ein Pedelec auf den ersten 20 – 30 m besser beschleunigt als ein durchschnittliches Auto. Dies ist im Straßenverkehr ein riesiger Sicherheitsgewinn, wenn man z. B. belebte Kreuzungen überqueren muss. Außerdem erreicht man mit einem Pedelec ohne große Anstrengung relativ hohe Dauergeschwindigkeiten zwischen 20 und 30 km/h und zwar relativ unabhängig von der Beladung, der Steigung oder Gegenwind. Das ist eine Geschwindigkeit, die nur gut trainierte Radfahrer über längere Strecken durchhalten können.

Welche Reichweiten sind erzielbar?

Bei den meisten Systemen werden Reichweiten um die 50 km mit einer Akkuladung angegeben. In der Praxis sind Reichweiten um die 30 km gut erzielbar, sollte also für die typischen Wege, die man an einem Tag zurücklegt, reichen. Die tatsächliche Reichweite hängt von einer Reihe von Faktoren ab, u. a.

* Gewicht des Fahrrads inkl. Fahrer und Gepäck

* Höhenprofil der Strecke

* Tretunterstützung durch den Fahrer

Wie wird der Akku geladen?

Aufgeladen wird der Akku an einer normalen Steckdose. Viele haben im Fahrradabstellraum keine Steckdose und wollen das Fahrrad nicht in die Wohnung mitnehmen. Deshalb kann man bei praktisch allen Rädern den Akku abnehmen und separat vom Fahrrad laden. Da der Akku eine der teuersten Komponenten am Pedelec ist, sollte der Akku mittels Schloss gegen Diebstahl gesichert sein, was bei den teureren Rädern eigentlich immer der Fall ist.

Bei den besseren Systemen gibt es auch eine automatische oder manuelle Rekuperationsschaltung. In diesem Modus wirkt der Elektromotor als Generator und lädt den Akku auf. Bei der automatischen Schaltung wird dies meist über die Hinterradbremse ausgelöst. Manuell kann die Rekuperation über die Konsole eingestellt werden. Praktisch ist die Rekuperation bei längeren Bergab-Fahrten, weil man weniger Bremsen muss und gleichzeitig den Akku lädt. Sportliche Zeitgenossen können natürlich auch versuchen, den Akku im Rekuperationsbetrieb durch Treten wieder aufzuladen. Aber Achtung: Dabei kommt man doch gehörig ins Schwitzen. Da fragst man sich relativ schnell, wozu man eigentlich ein Pedelec gekauft hat.

Bei allen Fahrrädern wird ein Ladegerät mitgeliefert. Bei den teureren Systemen sind die Ladegeräte relativ groß und schwer und daher nur schwer mitzunehmen. Der Vorteil der großen Ladegeräte ist aber, dass der Akku viel schneller geladen werden kann.

Wie sieht die rechtliche Stellung aus?

Pedelecs und Elektrofahrräder sind grundsätzlich normalen Fahrrädern gleichgestellt. Man darf daher auf normalen Radwegen fahren, auch wenn man relativ schnell merken wird, dass viele Radwege für die höhere Geschwindigkeit der Pedelecs nur bedingt geeignet sind.

Beschränkt ist allerdings die Geschwindigkeit: Im reinen Elektrobetrieb, also ohne Mittreten des Fahrers, darf ein Fahrrad maximal 20 km/h erreichen. Wenn der Fahrer mittritt darf die Elektronik nur bis maximal 25 bzw. 30 km/h Unterstützung bieten. Normalerweise gilt die 25 km/h-Grenze. Bei Fahrrädern, die mit dem Elektroantrieb nachgerüstet wurden, gelten 30 km/h. In Wahrheit sind die meisten Pedelecs im Verkehr nur nachgerüstete Fahrräder. Deshalb gilt meist die 30 km/h-Grenze. Das heißt übrigens nicht, dass man mit Pedelecs nicht schneller fahren darf. Oberhalb dieser Grenzen darf aber der Elektromotor keine Unterstützung mehr liefern. Auf Bergabstücken sind daher Geschwindigkeiten weit über 30 km/h locker erreichbar.

In der Praxis gibt es derzeit allerdings nur wenige Antriebe am Markt, die das Fahrrad über 25 km/h beschleunigen können. Am verbreitetsten ist dabei der BionX-Antrieb, der u. a. auch von KTM verbaut wird.

Sind Pedelecs gefährlicher als normale Fahrräder?

Obwohl sie als normale Fahrräder von Kindern ab dem 12. Lebensjahr (ab dem 10. mit Fahrradprüfung) gefahren werden dürfen, sind sie definitiv nicht für Kinder geeignet. Die relativ starke Beschleunigung und die hohe Dauergeschwindigkeit erfordern eine hohe Aufmerksamkeit. Bei hohem Fußgängerverkehr schalte ich z. B. die Elektrounterstützung meist herunter bzw. ganz ab, weil das Fahrrad bei Geschwindigkeiten unter 15 km/h nur schwer kontrollierbar ist. Bei Fahrrad-Schutzwegen ist z. B. auch hohe Vorsicht geboten, weil die meisten Autofahrer die Geschwindigkeit von Pedelecs weit unterschätzen. Das Gesetz sieht vor, dass man die Schutzwege nur mit maximal 10 km/h überqueren darf. Als Pedelec-Fahrer hat man da das Gefühl, fast zu stehen.

Fährt man mit einem Pedelec auf normalen, am besten verkehrsberuhigten Straßen, ist hingegen die höhere Geschwindigkeit ein großer Vorteil, weil man von den Autofahrern viel weniger als Hindernis wahrgenommen wird. Man kann wesentlich selbstbewusster auftreten, was das Sicherheitsgefühl deutlich verstärkt.

Insgesamt sollte ein Pedelec wie ein Kraftfahrzeug, vergleichbar mit einem kleinen Motorroller bewegt werden. Entsprechend sollte man auch auf die eigene Sicherheitsausstattung (Helm, Beleuchtung, Bremsen usw.) achten.

Was kosten Pedelecs? Worin liegen die großen Preisunterschiede begründet?

Die Preise für Pedelecs weisen eine enorme Bandbreite auf. Im Supermarkt habe ich schon Pedelecs für ca. € 700 gesehen. Es ist aber auch kein Problem, mehr als € 2.500 dafür auszugeben.

Bei einem Pedelec handelt es sich praktisch immer um ein normales Fahrrad, bei dem die standardisierten Elektrokomponenten nachgerüstet werden. Die Preisunterschiede ergeben sich daher zunächst einmal aus den qualitativen Unterschieden zwischen den Basis-Fahrrädern. Auch bei normalen Fahrrädern kann man ja zwischen wenigen hundert und einigen tausend Euro ausgeben. Da man mit einem Pedelec vergleichsweise schnell unterwegs sein wird, sollte das Basis-Fahrrad von guter Qualität sein. Bei Billig-Angeboten ist daher Vorsicht geboten.

Der zweite Kostenfaktor ist das Antriebssystem. Hier gibt es eine Handvoll von Systemen am Markt, die starke Unterschiede beim Fahrgefühl, bei der erreichbaren Geschwindigkeit und beim Stromverbrauch aufweisen. Die Preisspanne für diese Komponenten liegen inkl. Akku bei ca. € 500 bis € 1.800.

Welchen Akku sollte man wählen?

Bei manchen Fahrrädern kann man zusätzlich zwischen verschiedenen Akku-Kapazitäten wählen. Ich empfehle, den kleinstmöglichen Akku zu wählen, der für die gewünschte Tagesreichweite ausreichend ist. Ein kleiner Akku hat viele Vorteile:

* Ein kleinerer Akku ist billiger.

* Ein kleinerer Akku ist leichter, der Stromverbrauch ist damit geringer und wenn der Akku leer ist und man alleine auf die Muskelkraft angewiesen ist, schleppt man damit deutlich weniger Gewicht mit.

* Ein kleinerer Akku ist schneller wieder aufgeladen.

* Ein kleinerer Akku kann einfacher am Fahrrad integriert werden. Es gibt manchmal mehrere Möglichkeiten der Akku-Montage.

* Das geringere Gewicht des kleinerer Akkus verbessert auch die Fahreigenschaften des Fahrrads.

* Nicht zuletzt ist der Akku die teuerste Verschleißkomponente beim Pedelec. Nach etwa drei Jahren muss man damit rechnen, dass der Akku getauscht werden muss. Und hier kommt wieder der günstigere Preis ins Spiel.

Welche Antriebssysteme gibt es und worin liegen die Unterschiede?

Pedelecs gibt es meist entweder mit Vorderrad- oder mit Hinterradantrieb. Eine Besonderheit stellt der Mittelmotor von Panasonic dar. Außerdem unterschiedet man zwischen Drehmoment- und Drehzahlsensoren.

Welche Vor- und Nachteile hat der Vorderradantrieb?

Der Vorderradantrieb ist meist im unteren Preissegment zu finden. Vorteil ist die einfachere Verkabelung und Montage. Ebenfalls von Vorteil ist die günstigere Gewichtsverteilung. Allerdings ist im Gegensatz zu Autos der Vorderradantrieb bei Zweirädern generell nicht unproblematisch. Bei zu starker Beschleunigung auf rutschigem Untergrund kann das Vorderrad wegrutschen, was unweigerlich zum Sturz führt. Die Pedale treiben weiterhin die Hinterräder an. Durch das unterschiedliche Drehmoment auf Vorder- und Hinterrädern kann es bei Kurvenfahrt ebenfalls zu Sturzgefahr kommen. Außerdem zerrt der Vorderradantrieb am Lenker, was zumindest gewöhnungsbedürftig ist.

Wer Wert auf Sicherheit legt, sollte daher Pedelecs mit Vorderradantrieb meiden.

Welche Vor- und Nachteile hat der Hinterradantrieb?

Der Hinterradantrieb ist meist im mittleren bis höheren Preissegment zu finden. Ein Wegrutschen des Hinterrads beim Beschleunigen kann meist korrigiert werden und ist daher meist ungefährlich. Insgesamt ist der Hinterradantrieb daher die sicherere Wahl.

Aufgrund der größeren Sicherheitsreserven können hierbei auch stärkere Motoren verbaut werden. Die schnelleren Pedelecs haben daher fast ausschließlich Hinterradantrieb.

Welche Vor- und Nachteile hat der Mittelmotor?

Von Panasonic gibt es ein spezielles Mittelmotor-System. Bei diesem System ist der Motor nicht in den Rädern verbaut, sondern in der Nabe der Tretkurbel. Die Beschleunigung erfolgt sanft uns sicher. Ein Wegrutschen beim Beschleunigen ist praktisch ausgeschlossen. Hauptvorteil des Panasonic-Antriebs ist aber die große Reichweite. Berichten zufolge sollen 100 km mit einer Akkuladung erzielbar sein. Dieses System eignet sich daher vor allem für Fahrer, die mehr als 40 km am Tag zurücklegen müssen.

Welche Vor- und Nachteile haben die unterschiedlichen Tretsensoren?

Beim Drehzahlsensor wird lediglich die Drehzahl der Pedale gemessen. Je höher die Drehzahl, desto stärker die Elektrounterstützung. Beim Drehmomentsensor wird dagegen die Kraft gemessen, mit der man in die Pedale tritt und die Unterstützung entsprechend geregelt. Die tatsächliche Unterstützung kann bei beiden Systeme und höherwertigen Modellen zusätzlich über eine Konsole eingestellt werden.

Drehzahlsensoren sind billiger. Sie empfehlen sich vor allem für ältere, gemütliche Fahrer und Fahrerinnen („Oma-Fahrräder“). Bei diesem System spielt z. B. der gewählte Gang nur eine untergeordnete Rolle. Man kann mit geringem Tretwiderstand recht hohe Geschwindigkeiten erzielen. Dies ist von Vorteil für Personen, die z. B. die Kniegelenke nicht voll belasten sollen. Andererseits haben diese Fahrräder tendenziell geringere Reichweiten, weil man dazu verleitet wird, den Motor kaum zu unterstützen. Das Fahrgefühl ist für routinierte Radfahrer sehr gewöhnungsbedürftig, weil die tatsächliche Geschwindigkeit und Beschleunigung kaum vom Treteinsatz abhängig ist.

Drehmomentsensoren sind vor allem in höherwertigen Modellen zu finden. Sie empfehlen sich vor allem für Personen, die normale Fahrräder gewöhnt sind, da hier die Umgewöhnung am geringsten ausfällt. Es ergibt sich meist ein sehr natürliches Fahrgefühl. Je stärker man tritt, desto schneller wird man. Man hat lediglich das Gefühl, dass ein Profi-Radsportler (mit oder ohne Doping) ständig mithilft. Aus Sicherheitsgründen werden die stärkeren Motoren ausschließlich mit Drehmomentsensoren kombiniert, da man hier die beste Kontrolle über die Beschleunigung hat. Wer also durchaus Radfahren auch als Sport ansieht, sollte zu Modellen mit Drehmomentsensor greifen. Aber keine Angst: Auch bei diesen Modellen kann man durchaus so fahren, dass man nicht ins Schwitzen kommt.

Wie kauft man ein Pedelec?

Keinesfalls sollte man ein Pedelec im Supermarkt, Baumarkt oder im Versandhandel kaufen. Beratung und eigene Tests sind wichtig, um das optimale System zu finden, mit dem man viele Jahre seine Freude hat.

Am besten sucht man einen Fachhändler, der verschiedene Antriebe im Angebot hat. Rufen Sie den Händler an und machen Sie einen Termin für Probefahrten aus. Ein guter Händler wird dann Fahrräder mit verschiedenen Antrieben vorbereitet haben.

Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Auswahl des Antriebssystems. Das Fahrrad, auf dem das System montiert ist, ist zunächst sekundär. Testen Sie zunächst am besten den Mittelmotor-Antrieb, dann den BIFS- und zuletzt den BionX-Antrieb.

Wenn Sie sich für einen Antrieb entschieden haben, der zu ihrem Fahrverhalten und ihrem Geldbörsel passt, gilt es, ein passendes Fahrrad zu suchen. Wenn Sie schon ein gutes Fahrrad besitzen, können Sie auch dieses umrüsten lassen, was einige hundert Euro spart. Aber Achtung: Nicht jeder Antrieb passt auf jedes Fahrrad. Ihr Fachhändler wird Sie dabei beraten. Achten Sie vor allem auf einen stabilen, aber leichten Rahmen und gute Bremsen. Nicht so wichtig ist die Anzahl der Gänge. Bei einem Pedelec sind 3 – 5 Gänge absolut ausreichend. Wenn Sie auch bei Dunkelheit fahren, sollten Sie auch auf eine gute Sichtbarkeit durch gute Beleuchtungsanlagen achten.

Welches Verbesserungspotential gibt es noch?

Die Reichweite der Akkus könnte natürlich verbessert werden. Das größte Ärgernis bei den meisten Pedelecs ist jedoch, dass die Beleuchtungsanlagen nicht vom Akku, sondern von eigenen Batterien gespeist werden.

Ebenfalls verbessert werden könnte die Verzögerung zwischen dem Beginn des Tretens und dem Einsatz des Elektromotors. Die Verzögerung beträgt derzeit etwa ein halbe Sekunde, die einem aber manchmal wie eine Ewigkeit vorkommt. Dies ist vor allem bei den stärkeren Motoren ein Problem.

Die Verkehrsplanung sollte die Radwege auch besser auf diese schnellen Fahrräder ausrichten. Viele Radwege können nicht mit maximaler Geschwindigkeit befahren werden. Alternativ könnte auch die Radwegbenützungspflicht für Pedelecs aufgehoben werden.

ein Beitrag von roman

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